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Parken und Ökologie – warum wir diesen Weg gehen

Ein paar (persönliche) Zeilen zum Status quo

Es gibt Themen, über die schreibt man lieber als über dieses. Doch manchmal gehören gerade jene Fragen zum Arbeitsalltag, bei denen unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen und es keine einfache Lösung gibt.

 

Genau darum geht es beim Projekt „Parken und Ökologie“ in St. Arbogast.

 

Es geht um die Erreichbarkeit unseres Hauses – mit Bus und Fahrrad, aber eben auch mit dem Auto. Und das in einem Bildungshaus, das sich seit vielen Jahren der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt, am Rand eines Naturschutzgebietes liegt und dessen Bildungsprogramm, Küche und tägliches Handeln von einem sorgsamen Umgang mit Mensch und Natur geprägt sind. Wir kochen mit regionalen Produkten, vermeiden Abfall, setzen natürliche Reinigungsmittel ein, heizen mit Sonnenenergie und Hackschnitzeln und gestalten unser Bildungsprogramm im Bewusstsein, dass Nachhaltigkeit mehr ist als ein Schlagwort.

 

Viele kennen die Parksituation in Arbogast. Sie führt regelmäßig zu Problemen: Autos stehen in Kurven, auf Wiesen oder vor Einfahrten. Gäste finden keinen Platz, Lieferanten können nur schwer zufahren und auch für Anrainer entsteht immer wieder Ärger. Gleichzeitig leidet der Naturraum unter diesem ungeordneten Parken. Diesen Zustand einfach hinzunehmen, erscheint mir nicht verantwortbar.

 

Natürlich könnte man sagen: Dann sollen eben alle mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad kommen. Tatsächlich setzen wir genau hier an. Seit der Wiedereröffnung nach der Generalsanierung übernehmen wir für Gäste unseres Bildungsprogramms und unsere Mitarbeiter*innen die Kosten für Bus und Bahn im gesamten Verkehrsverbund Vorarlberg. Vor dem Haus gibt es inzwischen eine Fahrradstation, und mit dem E-Bike ist Arbogast aus der Kumma-Region für die meisten Menschen gut erreichbar.

 

Dennoch zeigt die Erfahrung, dass dies nicht für alle Gäste eine praktikable Lösung ist. Viele reisen aus entfernteren Regionen an, manche besuchen Abendveranstaltungen, andere bringen Material mit oder sind beruflich auf das Auto angewiesen. Auch unsere Mitarbeitenden kommen aus unterschiedlichen Teilen Vorarlbergs. Arbogast liegt wunderschön – aber eben nicht unmittelbar an einem Bahnhof oder in einem urbanen Zentrum. Wer nach einer Abendveranstaltung noch zur Bushaltestelle hinuntergehen muss, empfindet den Weg entlang des Waldes nicht immer als angenehm. Und nicht zu jeder Zeit fährt noch ein Bus.

 

Dabei geht es um weit mehr als nur um Parkplätze. Unser Anliegen ist es, Menschen zusammenzubringen. Gerade in einer Zeit, in der vieles digital stattfindet und gesellschaftliche Gräben größer werden, braucht es Orte der persönlichen Begegnung. Menschen aus Unternehmen, Vereinen, Bildung, Kirche und Gesellschaft sowie Alt und Jung kommen hier miteinander ins Gespräch. Diese Begegnungen leben davon, dass Menschen tatsächlich hierherkommen können.

 

Immer wieder wird die Forderung laut, St. Arbogast vollständig autofrei zu machen. Langfristig wäre das auch aus meiner Sicht eine wünschenswerte Entwicklung. Heute sehe ich dafür jedoch noch nicht die Voraussetzungen. Und ich trage Verantwortung dafür, dass dieses Haus mit seinen tausenden Gästen, Referierenden, Lieferanten und rund 40 Arbeitsplätzen langfristig erhalten bleibt. Dazu gehört derzeit auch, dass ein Teil unserer Gäste mit dem Auto anreist oder anreisen muss.

 

Deshalb haben wir das Projekt „Parken und Ökologie“ gestartet. Unser Ziel ist nicht, möglichst viele neue Parkplätze zu schaffen. Vielmehr wollten wir eine Lösung finden, die den seit Jahrzehnten bestehenden Parkverkehr ordnet und gleichzeitig Natur und Landschaft bestmöglich berücksichtigt.

 

Gemeinsam mit Fachplanerinnen und Fachplanern sowie Expertinnen und Experten wurden über viele Monate unterschiedliche Varianten geprüft. Derzeit befassen sich unter anderem Naturschutz- und Forstgutachter, die Naturschutzanwältin, die Raumplanung sowie die zuständigen Behörden mit dem Projekt.

 

Wichtig ist mir dabei ein Punkt: Es entsteht kein neuer Großparkplatz. Die Anzahl der tatsächlich genutzten Stellplätze verändert sich nur geringfügig. Neu ist vor allem, dass das heute ungeordnete Parken künftig in klar definierten Bereichen stattfindet und ökologisch begleitet wird. Aus „wild“ soll „geordnet“ werden – mit möglichst wenig Eingriff in die Natur.

 

Damit das ungeordnete Parken künftig ein Ende hat, möchten wir einige bestehende Parkbuchten entlang der Zufahrtsstraße neu ordnen. Sie sollen künftig nicht mehr parallel, sondern senkrecht zum Waldrand angelegt und klar gekennzeichnet werden. Dadurch kann der vorhandene Raum besser genutzt werden.

 

Ergänzend dazu sind auf der Geländeterrasse gegenüber der Wallfahrtskirche einige geordnete Stellplätze vorgesehen. Diese sollen dazu beitragen, dass weniger Autos bis direkt vor das Jugend- und Bildungshaus fahren und der Parksuchverkehr auf dem Gelände reduziert wird. Unser Ziel ist, dass Fahrzeuge möglichst früh einen Platz finden und nicht weiterhin auf Wiesen, in Kurven oder vor privaten Einfahrten abgestellt werden.

 

Besonders wichtig war uns die Frage, wie sich diese Maßnahmen möglichst naturschonend umsetzen lassen. Deshalb werden keine asphaltierten oder betonierten Parkflächen errichtet. Vorgesehen sind versickerungsfähige Blumenschotterrasenflächen, damit Regenwasser weiterhin im Boden versickern kann.

 

Uns ist bewusst, dass für die Neuordnung einzelne Bäume am Waldrand entnommen werden müssen. Gleichzeitig werden besonders prägende und ökologisch wertvolle Bäume – etwa mit hoher Klimafitness, besonderer Biodiversität oder landschaftlicher Bedeutung – gezielt erhalten. Ergänzend dazu werden heimische, klimafitte und standortgerechte Gehölze nachgepflanzt.

 

Darüber hinaus sind ökologische Begleitmaßnahmen vorgesehen: In steileren Bereichen entstehen Trockenmauern, in flacheren Bereichen Rohbodenbiotope als Sonderstandorte für Pflanzen und Tiere. Ein Teil des anfallenden Ast- und Wurzelmaterials verbleibt als Totholzhaufen im Waldbereich und schafft neue Lebensräume. Ein Gehölzsaum zwischen Parkplatz und Landesstraße sowie eine landschaftsgerechte Begrünung im Bereich des Kirchenvorplatzes sollen die neuen Anlagen gut in die Umgebung einfügen.

 

Begleitend dazu möchten wir hinter den Parkbuchten einen schmalen Waldweg anlegen. Er soll ermöglichen, Arbogast abseits der Zufahrtsstraße zu Fuß zu erreichen ist. Außerdem soll der ehemalige Volleyballplatz hinter dem Haus 3 zu einem naturnahen Aufenthaltsbereich weiterentwickelt werden.

 

Natürlich werden wir auch künftig nicht müde, allen Gästen die Anreise mit Bus, Bahn oder Fahrrad zu empfehlen. Die Kosten für Bus und Bahn übernehmen wir weiterhin. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass wir auf absehbare Zeit noch nicht vollständig ohne Autos auskommen werden.

 

Dieses Projekt soll übrigens nicht dazu dienen, größere Veranstaltungen oder mehr Gäste nach St. Arbogast zu bringen. Es geht darum, das bestehende Gästeaufkommen besser zu organisieren. Schon bei der Generalsanierung haben wir bewusst keine größeren Veranstaltungsräume geschaffen, sondern die vorhandene Infrastruktur behutsam erneuert.

 

Mir ist bewusst, dass auch dieser Vorschlag unterschiedlich beurteilt wird. Manche hätten sich mehr gewünscht, andere weniger. Das respektiere ich. Nach vielen Gesprächen und sorgfältiger Abwägung bin ich jedoch überzeugt, dass dieser Weg derzeit den verantwortungsvollsten Ausgleich zwischen den Bedürfnissen unseres Bildungsbetriebs, unserer Gäste, unserer Nachbarn und dem Schutz der Natur darstellt.

 

Sollte sich eines Tages zeigen, dass diese Stellplätze nicht mehr benötigt werden, bleibt die Fläche aufgrund der unversiegelten Bauweise reversibel. Genau deshalb verzichten wir bewusst auf Asphalt oder Beton.

 

Die Behörden prüfen das Vorhaben derzeit umfassend. Aus meiner Sicht ist ein sorgfältig geplanter, naturnah umgesetzter und klar geregelter Umgang mit dem bestehenden Parken der verantwortungsvollere Weg, als den heutigen Zustand unverändert zu lassen – für unsere Gäste, unsere Nachbarn und die Natur in St. Arbogast.

 

Daniel Mutschlechner (Arbogast-Geschäftsführer)

daniel.mutschlechner@arbogast.at

Hof mit Gästen in Arbogast
Hof mit Gästen in Arbogast / Kirstin Hauk